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Ein Experiment: Taugen Blog-Kommentare überhaupt noch für die Suchmaschinenoptimierung?

Früher konnte man die verlinkten Autorennamen von Kommentaren in Blogs als feste Komponente beim Aufbau von Links zur eigenen Website einplanen. Doch 2005 erfand Google das HTML-Attribut rel="nofollow", mit dem man Links praktisch „wertlos“ machen konnte. Das sollte Kommentar-Spam verhindern. Und heute? Taugen Blog-Kommentare heute noch für die Suchmaschinenoptimierung?

Dieser Blog-Artikel ist sehr lang geworden. Darum gibt es für die Suchmaschinenoptimierungs-Kundigen, die keine Einführung in das Thema benötigen, das wichtigste Ergebnis gleich hier am Anfang: Backlinks in Blog-Kommentaren lohnen sich nur noch in sehr wenigen Fällen. Nur 16 der 97 von mit untersuchten Blogs ließen suchmaschinenoptimierungs-relevante Kommentar-Links zu.

Eine kleine Einführung für Suchmaschinenoptimierungs-Unkundige

Für diejenigen unter den IFOM-Blog-Lesern, die sich mit Suchmaschinenoptimierung bisher nicht oder nur am Rande beschäftigt haben, möchte ich eine kurze Erklärung vorausschicken. Links zu einer Website sind ein sehr wichtiges Kriterium, das Suchmaschinen für die Berechnung der Reihenfolge von Suchergebnissen zu einem bestimmten Suchbegriff verwenden. Vor allem Google misst solchen „Backlinks“ (die so genannt werden, weil sie aus Sicht des Website-Betreibers auf die eigene Website zurückverlinken) eine hohe Bedeutung bei. Der Bewertungsalgorithmus von Google berücksichtigt in dieser Hinsicht verschiedene Merkmale. Welche genau dies sind, ist zwar ein gut gehütetes Geheimnis, das nur der Suchmaschinenbetreiber selbst kennt. Doch basierend auf den Erfahrungen unzähliger Suchmaschinenoptimierer und einer Reihe gezielter Untersuchungen gelten unter anderem folgende Merkmale als erwiesenermaßen bewertungsrelevant: die Gesamtanzahl der Backlinks, die Anzahl unterschiedlicher Websites, von denen die Backlinks kommen, sowie die Begriffe innerhalb der verlinkten Textausschnitte.

Zusätzlich wird auch ein Teil des guten (oder auch schlechten) „Rufes“ der verlinkenden Website durch den Link selbst auf die verlinkte Website übertragen. Denn das Prinzip der Google-Bewertung basiert auf der Annahme, dass jeder Link eine Empfehlung ist. Wenn nun eine „gute“ bzw. „wichtige“ Website eine solche Empfehlung ausspricht, ist diese natürlich mehr wert als eine Empfehlung, die von einer „weniger guten“ oder „nicht so wichtigen“ Website kommt. Wenn dann auch noch der Text des Links zu dem Inhalt der verlinkten Seite passt, ist dies ein zusätzlicher Pluspunkt.

Kurz gesagt: Es ist gut, viele Links von vielen „guten“ Websites zu bekommen. Wenn man es dann noch schafft, die Linktexte so zu gestalten, dass Google eine Übereinstimmung mit den Themen der verlinkten Seiten erkennt, rücken die Top-Platzierungen in den Google-Ergebnissen näher. (In der Praxis ist es natürlich nicht immer ganz so leicht, wie in diesem vereinfachten Beispiel. Doch dafür gibt es ja die IFOM-Seminare.)

Früher war zwar nicht alles besser, aber einfacher

Wer in Blogs Kommentare zu einzelnen Artikeln hinterlässt, gibt in der Regel auch seinen Namen oder ein Pseudonym an. In den meisten Blogs wird dieser Name bzw. das Pseudonym mit der Website des Kommentators verlinkt, sofern er im Kommentarformular eine Website-Adresse angibt. Wenn man häufig und in vielen Blogs Beiträge kommentiert, baut man auf diese Weise automatisch die Verlinkung der eigenen Website aus. Und weil Google Blogs wegen der aktuellen Inhalte liebt, bekommt die Suchmaschine das Vorhandensein dieser neuen Backlinks auch immer schnell mit. Soviel zur Theorie. Vor 2005 galt das alles auch in der Praxis. Einfach kommentieren und über einen weiteren Backlink freuen. Doch dann kam „Nofollow“.

„Nofollow ist die umgangssprachliche Bezeichnung für das HTML-Attribut rel="nofollow", welches Hyperlinks beigefügt werden kann und das dafür sorgt, dass einige Suchmaschinen diese Hyperlinks nicht zur Berechnung der Beliebtheit der verlinkten Webseiten, gemessen mittels der Linkpopularität, heranziehen.“
Quelle: Wikipedia

Das Wikipedia-Zitat besagt also schlussendlich: Links, die mit dem Nofollow-Attribut gekennzeichnet sind, sind aus Sicht der Suchmaschinenoptimierung wertlos, weil Google sie für die Website-Relevanz-Berechnung, aus der sich schließlich die Suchergebnisreihenfolgen ergeben, schlicht ignoriert. Oder besser gesagt, ignorieren muss. Denn der verlinkende Website-Betreiber gibt der Suchmaschine mithilfe des Nofollow-Attributs den unmissverständlichen Hinweis: „Dieser Link ist keine Empfehlung von mir.“ Das ist in etwa so, als wenn ein Freund Ihnen zwar die Adresse eines Restaurants nennt, Ihnen gleichzeitig aber von einem Besuch des Lokals dringend abrät. Google ist übrigens nicht die einzige Suchmaschine, die das Nofollow-Attribut bei der Website-Bewertung berücksichtigt. Nahezu gleichzeitig mit der Einführung durch Google wurde es 2005 von allen großen Suchmaschinen übernommen.

Die Nofollow-Folgen für Blog-Kommentatoren

Nofollow-Links sollten eigentlich solche Blog-Kommentare und Forenbeiträge verhindern, die ganz offensichtlich nur zum Zweck der Suchmaschinenoptimierung erstellt wurden und noch immer erstellt werden. Kommentatoren-Namen wie „Günstiger Kredit“, „Private Krankenversicherung“ oder „Online Casino“ dürften schließlich bei realen Personen eher selten anzutreffen sein. Verbunden mit einem Link zur entsprechenden Webadresse und einem mehr oder weniger sinnfreien Kommentartext dienen sie ausschließlich dem Linkaufbau der beworbenen Website. Gerne werden auch im Kommentartext selbst noch weitere Links eingestreut. Das alles lässt sich freilich automatisiert erledigen. Deswegen war und ist Kommentar-Spam für viele Blogs ein ernst zu nehmendes Problem.

Das Nofollow-Attribut war eine Antwort auf diese Entwicklung. Der Gedanke dahinter: Wenn der Link ohnehin nichts wert ist, lohnt es sich für Spammer gar nicht erst, die manuelle oder automatisierte Kommentar-Spamschleuder anzuschmeißen. Dass Wunsch und Wirklichkeit nicht unbedingt deckungsgleich sind, zeigt die Tatsache, dass auch vier Jahre nach der Nofollow-Einführung ein guter Kommentar-Spamfilter unerlässlich für jedes Blog ist.

Warum erzähle ich Ihnen das alles, wo doch mit Sicherheit keinem der IFOM-Blog-Leser solches Schindluder auch nur in den Sinn käme? Weil viele Blogsoftware-Hersteller und auch die großen Blog-Plattformen die Nofollow-Kommentoren-Links pauschal integriert haben. Die bekannteste Blogsoftware Wordpress heftet das Nofollow-Attribut beispielsweise standardmäßig an alle Links im Kommentarbereich eines Artikels. Will der Blog-Betreiber dies nicht, muss er extra aktiv werden und eine entsprechende Erweiterung installieren. Blog-Betreiber, die sich weder um solche technischen Feinheiten, noch um Suchmaschinenoptimierung kümmern – und das dürften die meisten sein – werden die pauschale Link-Entwertung wahrscheinlich gar nicht bemerken, unabhängig davon, ob sie dieses Vorgehen gutheißen oder nicht.

Ehrliche Kommentatoren stellen sich jedoch die Frage: Lohnt sich das Kommentieren in Blogs unter SEO-Gesichtspunkten eigentlich noch? Selbst wenn man dem guten Ton entsprechend „nur“ den eigenen Namen mit seiner Website verlinken lässt, so wäre dies immerhin ein weiterer Backlink. Und Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist. Doch wenn allen Links in Blog-Kommentaren das Nofollow-Attribut anhaftet, kann man sich den Link auch sparen. Google wertet ihn sowieso nicht.

Die Versuchskaninchen meines Experiments: 97 Marketing-, Grafik- und Business-Blogs

Sowohl das IFOM-Blog als auch mein persönliches Marketing-Blog trage ich regelmäßig in die Kommentarformulare anderer Marketing-Blogs ein. Darum wollte ich wissen, ob dies mit Blick auf die Suchmaschinenoptimierung einen Effekt hat. Die nicht repräsentative Auswahl an Blogs für diese Untersuchung bestand aus:

  • zehn deutschsprachigen und zwei englischsprachigen B2B-Marketing-Blogs
  • vier deutschsprachigen Blogs zu eher allgemeinen Business-Themen
  • elf deutschsprachigen Grafik- und Typografie-Blogs
  • drei deutschsprachigen und vier englischsprachigen Blogs zum Thema Markenführung
  • 22 deutschsprachigen Blogs, die sich allgemein mit Marketing beschäftigen
  • zwölf deutschsprachigen und einem englischsprachigen Online-Marketing-Blog
  • drei deutschsprachigen und zwei englischsprachigen Suchmaschinenmarketing-Blogs
  • elf deutschsprachigen und zwei englischsprachigen Suchmaschinenoptimierungs-Blogs
  • vier deutschsprachigen Viral- und Guerilla-Marketing-Blogs
  • fünf deutschsprachigen und einem englischsprachigen Web-Analytics-Blog

Sie alle habe ich daraufhin untersucht, ob Links in Kommentaren das Nofollow-Attribut enthielten oder nicht.

Das Ergebnis des Experiments: Nofollow allerorten

  • 71 der untersuchten Blogs entwerten Kommentar-Links mithilfe des Nofollow-Attributs.
  • Drei Blogs setzen bei Kommentar-Links Weiterleitungs-URLs ein.
  • Fünf Blogs ließen überhaupt keine Verlinkungen im Kommentar-Bereich zu.
  • Bei zwei Blogs ließ sich aufgrund keines einzigen auffindbaren Kommentars keine Aussage machen. (Hier werde ich demnächst natürlich noch selbst kommentieren, um dies herauszufinden.)
  • 16 Blogs schließlich lassen suchmaschinenoptimierungs-relevante Links in Kommentaren zu.

Eine genaue Liste dieser 16 Blogs veröffentliche ich an dieser Stelle nicht. Schließlich möchte ich keines dieser Blogs indirekt als potenzielle „Linkschleuder“ bewerben. Ich persönlich finde es nur fair, wenn ein guter Kommentar mit einem für Google verwertbaren Link „belohnt“ wird. Doch muss man es Kommentar-Spammern nicht auch noch leicht machen, indem man ihnen lohnende Verlinkungsmöglichkeiten bei gutmütigen Bloggern auf dem Silbertablett präsentiert.

Mein Fazit dieses Experiments: Auf Kommentar-Links sollte man im Rahmen einer Backlink-Strategie besser nicht bauen. Wer Links aus Blogs haben möchte, muss entweder viel recherchieren, so wie ich dies im Rahmen dieses Experiments getan habe. Oder er muss sich ein wenig mehr anstrengen, um aus den Blog-Artikeln selbst heraus verlinkt zu werden.

Das soll jedoch niemanden vom Kommentieren in Blogs abhalten. Kommentare sind ein wichtiger Bestandteil von Blogs und wirken sich zudem positiv auf die Online-Reputation von Personen und Unternehmen aus. Und was die Links in Kommentaren angeht, so sollte man nie vergessen, dass neben Suchmaschinen-Robots auch noch Besucher aus Fleisch und Blut Links anklicken können. Denen ist es völlig egal, ob es sich um einen Follow- oder Nofollow-Link handelt. Und um diese Besucher geht es doch letztendlich. Online-Marketing besteht schließlich nicht nur aus Suchmaschinenoptimierung.

Dieser Beitrag wurde am 01.04.2009 von
Michael van Laar geschrieben.
Rubriken: Suchmaschinenmarketing (SEM), Suchmaschinenoptimierung (SEO)
Schlagwörter: Corporate-Blog  
Sabine http://www.free-blog.in/sabine1980/ 09-04-09 21:19

Ich finde man sollte kommentieren um dem Autor zu zeigen dass man den Artikel interessant fand, egal ob es jetzt einem selbst etwas bringt oder nicht.
Cookie www.zielgruppe-ich.de 05-05-09 14:25

Wenn ich mir vorstelle wieviel Arbeit mit diesem Test dahinter steckt, kann ich nur sagen "Hut ab, klasse Artikel".

Da ich auch der Meinung bin, dass produktive Kommentare mit einem Backlink belohnt werden sollten, interessiert es mich nun wie ich Kommentaren "dofollow" zuordnen kann. Gibt es eine Empfehlung für ein Plugin?

Grüße,

COokie.
Michael van Laar http://www.i-fom.de 05-05-09 14:46

@Cookie: Für WordPress gibt es das Plug-In „Nofollow Case by Case“ (http://wordpress.org/extend/plugins/nofollow-case-by-case/ ). Eine persönliche Empfehlung dazu kann ich aber nicht geben, weil ich in meinen WordPress-Installationen das Nofollow-Attribut immer von vornherein bei alle Links mithilfe des Plug-Ins „myFollowURL“ (http://dynamicinternet.eu/blog/2008-12-16/wordpress-plugin-myfollowurl/ ) entfernen lasse.
Peter Baltic http://www.ostsee.be 08-05-09 12:51

sehr schön zusammengefaßt.
dank Akismet wird ja bei mir der meiste Spam schon gefiltert, aber die ganzen US Gambling/Casino Kommentare nervern wirklich.. denen ist das nofollow vollkommen egal.. davon hab ich täglich einige in der Moderation
danke für den Hinweis auf Nofollow Case by Case.. werd ich mal testen
Claas http://www.chihuahua-hunde.com 22-05-09 14:20

Ich finde, dass gute Kommentare ruhig einen Follow-Link verdient haben. Wozu ist die Angabe der URL denn sonst gut? Viele Klicks bekommt man dadurch nicht.
Tobias http://www.symbie.de 12-06-09 17:57

Nun vielleicht lohnen sich die links für google nicht aber soweit ich weis werten yahoo oder msn diese links immer noch also sollte es aufjdenfall da etwas bringen :)
Oliver  18-06-09 15:20

Neuesten SEO Gerüchten Zufolge sollen auch nofollow Backlinks durchaus von Google für die Positionierung einer Seite bewertet werden. Das von Google erwartete natürliche Linkwachstum entspräche auch einem Backlink mit nofollow Tag. Was meint Ihr dazu.
Tobias http://www.symbie.de 24-06-09 20:07

Gibt es zu dem Thema den noch irgendwelche Posts? Mit eventuellen erfahrungsberichten oder Tests?
Cem Jamal http://www.dslinfo.net 29-06-09 21:48

Ich habe die Erfahrung gemacht, das selbst nofollow links einen gewissen effekt haben. Hat man einen gesunden follow Backlink-Anteil, dann kann man zumindest die Linkmenge durch ein paar nofollows erhöhen. Sollte nicht schaden.
Moritz http://www.rennrad-rahmen.net 12-07-09 16:18

Ich nutze den Fastblogfinder um no-nofollow Blogs zu finden. Natürlich sollte man trotzdem einen vernünftigen Kommentar hinterlassen, aber die anderen kann man sich so direkt sparen.

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